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Big Data im Versicherungswesen im Spannungsfeld von Personalisierung und Solidarität

 

Die Flut neuer Daten hat das Potenzial, die Versicherungsbranche umzukrempeln. Forschende der Universität Zürich und der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur untersuchen zusammen mit dem Rückversicherer Swiss Re die ethischen und rechtlichen Herausforderungen von Big Data.

Porträt / Projektbeschrieb (laufendes Forschungsprojekt)

Im Projekt arbeiten Fachleute aus der Ethik, der Managementwissenschaft, der Psychologie, des Rechts, der Soziologie und der Versicherungsbranche zusammen. Wir analysieren, welche Werte bei Big-Data-Anwendungen eine Rolle spielen und wie man mit Wertkonflikten und Entscheidungsprozessen umgehen kann; wir prüfen, inwiefern Entwickler von Big-Data-Anwendungen ethische Aspekte in Betracht ziehen; und wir vergleichen das regulatorische Umfeld in der Schweiz und den USA und identifizieren allfällige Gesetzeslücken. 

Hintergrund

Risikoberechnungen für Versicherungsprämien stützen sich auf Daten ab. Die Art und Menge elektronischer Daten – etwa von Fahrtenschreibern oder Fitness-Trackern – nehmen enorm zu. Dies ermöglicht eine zunehmende Personalisierung von Versicherungspolicen. Wird dadurch die Solidarität als Grundwert des Versicherungswesens untergraben? Die Nutzung so genannter "versicherungsfremder Daten" sorgt für Umwälzungen in der Versicherungsbranche und wirft unter anderem auch Datenschutz-Fragen auf.

Ziele

Dieses Projekt untersucht in drei Schritten die ethischen und rechtlichen Fragen der Nutzung von Big Data im Versicherungswesen: Zuerst ermitteln wir, welche moralischen Werte wie beispielsweise Fairness, Freiheit, Gleichheit oder Persönlichkeitsschutz durch Big Data berührt werden und inwieweit die Entscheider und Entwickler von Big-Data-Anwendungen diese in Betracht ziehen. Zweitens prüfen wir, ob Gesetzgebung und Regulierung für die kommenden Herausforderungen gewappnet sind und wie sich allfällige Anpassungen – etwa eine Abschwächung des Prinzips der Datensparsamkeit – ethisch begründen lassen. Schliesslich schlagen wir einen Standard vor, wie die Versicherungsbranche mit Big Data umgehen kann.

Bedeutung / Anwendung

Die gewonnenen Erkenntnisse erlauben es den Fachleuten in Politik und Verwaltung, sachgerecht auf die Big-Data-Herausforderungen im Versicherungswesen eingehen zu können. Der Industrie-Standard kann der Branche im Sinn einer Selbstregulierung helfen, frühzeitig ethisch heikle Anwendungen zu erkennen und sie entsprechend anzupassen oder auf deren Entwicklung zu verzichten. Insgesamt ebnet das Projekt Big-Data-Innovationen den Weg, die ethisch begründet und rechtlich voraussehbar ausgestaltet sind.

Originaltitel

Between Solidarity and Personalization – Dealing with Ethical and Legal Big Data Challenges in the Insurance Industry

Projektverantwortliche

  • PD Dr. Markus Christen, Institut für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte (IBME), Universität Zürich
  • Prof. Dr. Florent Thouvenin, Rechtswissenschaftliches Institut, Universität Zürich
  • Prof. Dr. Christian Hauser, Departement Entrepreneurial Management, Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

PD. Dr. Markus Christen Institut für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte (IBME)
Universität Zürich
Winterthurerstrasse 30 8006 Zürich christen@ethik.uzh.ch

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